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Reise und Neuigkeiten



Die Aufführung ist über der Bühne- man buchstabiert: URLAUBSREIF. Julie und ich wählten die Option, die uns anschließend Hanoi wieder als ruhige, langsame Stadt erleben lassen würde: Bangkok. Die Stadt, in der man nach Herzenslust Shopping- Malls leer kaufen oder Starbucks und Subway frönen kann, in der es keinen Zapfenstreich gibt, an jeder Ecke das Bildnis des Königs flaggt, in der man Muskelkater von der so genannten Thai Massage bekommt (die einfach nur schmerzhaft ist!!!), wo nachts gestrandete 68er Überbleibsel und Hippie- Verschnitte „Country roads“ trällern, Arm in Arm mit einer 30 Jahre jüngeren Thai… Wer shoppen will, Party machen, Hektik erleben, stundenlange Verkehrsstaus (es verstopfen nicht wie in Hanoi 1000 Hondas, sondern 1000 Autos die Straßen), aber auch endlich mal wieder lecker schmackhaftes, gut gewürztes Essen genießen, große Bücherläden finden möchte - willkommen!
Zwei Tage gönnten wir uns noch auf einer Badeinsel, die abgesehen von den Shopping Malls und dem nicht vorhandenen Verkehr den obigen Möglichkeiten Bangkoks in nichts nachstand.



Hier dann also, in Thailand trennten sich unsere Wege- Julie trat ihre Rückreise nach Deutschland an- für mich ging es noch einmal eine Woche lang ins Backpacker-Abenteuer.
Mein hehrer Plan war eine Reise allein von Thailand ins ländliche Laos. Genauer ausgedrückt- mal wieder eine asiatische Odyssee. In Laos wollte ich zwei Freundinnen besuchen, Eva und Dani, die momentan dort mit ASA ein Projekt meistern. Naja, da aber bereits der Nachtzug 4h Verspätung hatte, verpasste ich den direkten Bus, der mich über die Grenze und nach Pakse bringen sollte, der Ort, in dem meine Freunde auf mich warteten. Also blieb mir, nachdem ich meinem Taxifahrer die Vorschläge, seinen Sohn zu heiraten, erfolgreich ausgeschlagen hatte, einen Bummelbus bis zu irgendeinem Dorf zu nehmen, dann mit dem Tuk Tuk (Äh, Erklärung??? Fährt so, wie es heißt, kleine halb offene Ladefläche, s.Bild) zum Grenzort, Fußmarsch über die Grenze, wieder mit einem Tuk Tuk in die Nähe von Pakse, mit einem Mini- Tuk Tuk dann in die Stadt. Trotz 6stündiger Verspätung wartete meine Freundin Eva mit laotischer Gelassenheit immer noch auf mich (wie gut, dass es Sudoku gibt…). Was mir dann bevorstand waren 4 Tage absolute Ruhe, Entspannung, bauernhöfische Pampa, Elefanten, Wasserfälle, laotische Bambuspfeifen, schlafen, lesen. Man hat einfach keine Möglichkeiten in Tadlo. Wie gut.



Etwas zu entspannt und unbedacht trat ich dann meine Rückreise gen Vietnam an. Zwei Nachtbusse, nichts leichter als das! Eine Nacht von Pakse in die Hauptstadt Vientiane, die nächste Nacht von dort aus nach Hanoi und schon bin ich wieder da. Wie naiv man sein kann! Hätte ich geahnt, was mir alles blüht…
Nach einem 40 Minuten Marsch zur Bushaltestelle wartet man dort auf den Bus, und harrt der Dinge, die da kommen oder nicht. Nach 2h Fahrt nach Pakse wurde mir dort feierlich eröffnet, dass gerade heute alle Busse ausgebucht seien, weil das Hauptfestival Laos’ am nächsten Tag in der Hauptstadt stattfinden solle. Klar, Asien wäre nicht Asien, wenn es nicht immer diese „Zufälle“ gäbe. Wissend, dass Beharrlichkeit und die Bereitschaft, einen „teureren Bus zu nehmen“ etwas bewirken können, gab es also doch noch irgendwie einen Platz. Ich weiß nicht, wer alles geschmiert wurde und ob dadurch irgendwer in Pakse noch eine Nacht Sudoku machen musste, aber ich war drin und stand von meinem Sitzplatz nicht mehr auf. (Man lernt, dass man nichts trinken darf, die Pinkel-Stopps sind nur für Männer gedacht.) Ein herrlicher Tag in Vientiane blieb mir bis zum nächsten bösen Erwachen. Der „Nachtbus“ bis Hanoi braucht also doch 24 h, oh tatsächlich, was Sie nicht sagen! Ach, und er hat keine Toiletten? Sieh mal einer an! Und die Klimaanlagen kann man nicht ausstellen und selbst drei Pullis helfen da nicht? Und die Sitze sind halb so breit wie gewöhnlich, wenn sie nicht zusätzlich aus dem Leim gehen? Und ein netter kräftiger junger Mann wird neben mir sitzen, der Dreiviertel des Zweiersitzes in Beschlag nimmt und mir kontinuierlich und treffsicher im Schlaf seinen Ellbogen in die Seite rammt und im Wachzustand unaufhörlich reden will? M-hmmm! Ach, und an der Grenze werden auch Leute, deren Pass nicht gültig ist einfach rübergeschmuggelt? Und leiernde Karaoke-Musik ist gratis inklusive? Na dann! Nichts wie rein ins Vergnügen!




Schnitt

2 Tage nach der Ankunft: Sitzfleisch wieder massiert und reaktiviert, Dehydrierung reduziert, Schlafdefizit noch nicht wieder ausgeglichen: Geburtstag auf Vietnamesisch. Nur einige Highlights- deutsches Mittagsessen mit Rouladen, warme Sonne im November, die Hotelrezeptionisten überbrachten mir einen Blumenstrauß mit dem Wunsch „ success and a boyfriend in your next year“, mit meinen 30 Tänzern Chè gegessen (Glibbermasse in allen Farben in Milch) und ich brauchte eine Eskorte, um die ganzen Blumengebinde und Geschenke nach Hause zu transportieren, Hotpot am See in lauer Mondnacht mit tollen Freunden, Vietnamesische Tiramisu-Torte konsumiert und in einer Karaoke Bar so richtig alles rausgelassen, was nur ging! What a day!

Aber damit noch nicht genug- es gibt einige Neuigkeiten in meinem Leben. Ja, ich habe mir also doch das Heiratsangebot des Taxifahrers etwas mehr zu Herzen genommen und werde wohl wieder nach Thailand gehen um mir noch mal das Foto des Sohnes anzuschauen. Der Vater verdient recht gut und der Sohn mag helle Haut. Also steht unserer Hochzeit eigentlich nichts mehr im Wege.
Spaß beiseite. Nein, ich will den Sohn natürlich vorher schon wirklich kennen lernen. Er studiert in Bangkok und spricht wohl auch ganz gut Englisch, bis ich genug Thai kann.
Nee, im Ernst - ich werde umziehen. Allerdings bleibe ich in Vietnam, es geht nach Saigon. Ich werde dort im Goethe-Institut unterrichten, und im Dezember da einen Kurs mit übernehmen. Ich hatte schon die letzten Monate hier in Hanoi im Goethe-Institut hospitiert gehabt und unterrichtet, aber jetzt wird es richtig losgehen. Und da dort gerade ein Engpass an Lehrern ist, ist das für mich eine Möglichkeit, mir noch einmal eine andere Stadt Vietnams zu Eigen zu machen. Eine Stadt, die Hanoi nicht unähnlicher sein könnte, da in Saigon die Marktwirtschaft schon seit Jahren triumphierenden Einzug gehalten und das Stadtbild sowie die Menschen stark geprägt und verändert hat.
Das heißt aber auch Abschied nehmen von hier und den Freunden, die mir so lieb und wichtig geworden sind und mich noch einmal auf ein neues, bisher fremdes asiatisches Wirrwarr einlassen. Saigon ist um einige Grade schärfer als Hanoi, leider auch gleich bleibend heiß (ächz) und das Vietnamesisch dort entspricht wohl einem Schwyzerdütsch. Ich bin sehr gespannt, irgendwie aber auch wehmütig.

Zusätzlich kommen morgen meine Eltern für 2 Wochen und gemeinsam werden wir dann ab 18.11. auf der Reise gen Süden sein, womit ich gleich meinen Umzug nach Saigon verbinden werde.
Entschuldigt also, wenn ich mich in den letzten Wochen wenig gemeldet hatte oder es in den kommenden kaum tun werde. Dinge überschlagen sich momentan.
Und Im Januar komme ich dann ja auch schon wieder nach Deutschland zurück!
9.11.06 12:29
 



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