
Meine Haare riechen nach Schokotorte, der Nacken ist noch verklebt und sämtliche Kleider weichen gerade im Waschbecken ein, damit Sahne und Schokolade hoffentlich keine Spuren hinterlassen. Ergebnis einer Tortenschlacht in meiner Tanzklasse…
Deren Leiter hatte heute Geburtstag, aber zur Feier des Tages kam noch die Ausgelassenheit der einfach gelungenen Aufführung gestern Abend. Es gab allen Grund zum Feiern!

Die Aufführung- ja, das Sorgenkind, die Bauchschmerzen und schlaflosen Nächte der letzten Wochen ist über die Bühne gebracht. Ich kann nicht anders sagen, als dass sie ein voller Erfolg war und super ankam! Im Hof des Goethe-Instituts stellten sich gestern Abend wohl an die 200 Leute ein, überwiegend Vietnamesen, plus die 60 Tänzer und Schauspieler unseres Stücks. Jeder, der irgendwie wichtig war und was zu sagen hatte, hielt eine Rede, die in Gebärdensprache übersetzt wurde (da ein Großteil meiner Tänzer gehörlos sind). Auch Julie und ich hatten die Ehre, wobei ich davor Tode an Nervosität gestorben war, dann aber den Übersetzer komplett aus dem Konzept brachte, als ich plötzlich frei sprach. (O-Ton vor der Rede- “I don’t speak English well, can you write for me what you will say?&rdquo

Es wurde zu einer Slapstick Nummer, und das Publikum brüllte…

Blumen wurden überreicht, weitere Reden gehalten, diesen und jenen gedankt und alle erwähnt- dann ging das Stück los- vor einem samtroten Banner, der in großen Lettern den Abend über aller Schirmherren still prangend und pflichtbewusst weiterhin gedachte.
Mein Unwohlsein im Countdown vor dem großen Tag rührte vor allem von der Tatsache, dass es bis dahin keinen einzigen Durchlauf mit allen Beteiligten gegeben hatte, auch keine Probe auf der „Ernstbühne“ mit Technik oder Musik- das musste also alles improvisierterweise gestern Abend geschehen. Als Deutsche, oder einfach als Andrea, habe ich dafür einfach nicht die notwendigen Nerven. Was nicht schlimm war, weil die seit Montag ohnehin alle aufgebraucht waren…
Die Schauspieler waren der Brecher! Auch wenn alle Dialoge auf Vietnamesisch und daher für Nicht-Vietnamesen größtenteils nicht verständlich waren, wurde es von den beiden Teenagern einfach so hervorragend und zu lustig gespielt; in der Mimik des Publikums spiegelte sich Mitgerissenheit und Spannung wider. Sie waren voll dabei.
Und als es erst zu den Tänzen kam, sprachen unsere Gesichter Bände - Julie und ich konnten einfach nicht anders, als bis über beide Ohren zu strahlen. Wir platzten beinahe vor Stolz.
Hierfür hat sich alles gelohnt!!! Jeder Frust, aller Muskelkater und jedes verhasste frühmorgendliche Proben erhält hiermit nachträglich seine Adelung. Wir waren restlos begeistert und mehr als zufrieden. Sie haben das wirklich so toll gemacht!

Das quittierte uns auch abschließend der Applaus des Publikums. Mehr als "geschafft!"
Alle Befürchtungen, dass der Abend zum fussnagelkräuselnden Fiasko und über die Maßen peinlichen Abgang für uns beide wird, wurden im Bliztgewitter an Fotoaufnahmen, einer Flut von Glückwünschen, und vor Zufriedenheit übermütigen Tänzern ertränkt.

Jetzt stehen neben Abschieden letzte gemeinsame Tage bevor, in denen wir noch zusammen feiern ;-) aber vor allem wegfahren und uns erholen werden, bevor Julie dann Ende Oktober nach Deutschland aufbricht und mich für meine nächsten 3 spannenden Monate in Hanoi zurück lässt.