Melia Hotel Hanoi. Auf dem roten Teppich in schickster Auftortung, vorbei an unzähligen Blumengebinden bewegen wir uns, mit männlicher Begleitung an der Seite, auf den Botschafter zu. Da wir inzwischen wohl schon die 973ten Besucher sind, wirkt sein Willkommensgruß ein wenig erschöpft. Wir betreten den mit schwarzrotgoldener Dekoration prunkenden Ballsaal des edlen *****- Hotels, wo uns eine riesige Eisskulptur von Schloss Neuschwanstein entgegen glitzert. Zwischen den 969 anderen Besuchern ereifern sich in Latzlederhose und Dirndl verirrte vietnamesische Kellner, den Strom an Wein und Bier nicht abbrechen zu lassen. Nach der ergreifenden deutschen Nationalhymne und einer erbaulichen deutschen Rede des deutschen Botschafters wurde das deutsche Buffet eröffnet. Rouladen!!! Sauerkraut!!! Rotkohl!!! Schnitzel!!! Spätzle!!! Kartoffelsalat!!! Königsberger Klopse!!! Wurstsalat!!! Richtiges Brot!!! Rote Grütze!!! Apfelstrudel mit Vanillesoße!!! Ein Fest, ach, hat das gut getan! Erstaunlich, wie deutsch man im Ausland wird… Den ganzen Abend lief deutsche Musik, von Drafi Deutscher über Nena, Ärzte, Reinhard Mey, den Toten Hosen… Wenn man seine Augen auf der Leinwand im Hintergrund ruhen ließ, konnte man sich an Bildern deutscher Landschaften und Städte weiden, wobei ich jedes Mal, wenn sich mir Berlin zu erkennen gab, Philipp (meine Begleitung, direkt aus Berlin eingeflogen) mit meinem so plötzlichen Patriotismus behelligte… Ja, habt Nachsicht, es war die Feier zum Tag der deutschen Einheit, die ich mit Haut und Haaren in mich aufgesogen habe ;-)

Aber das bewegt Hanoi nicht weiter. Seit Wochen läuft nämlich der Countdown zum Mondfest (dieses Jahr am 6.10.), was hier ein riesiges Kinderfest mit Laternen und Masken ist. Seit Wochen gibt es Moon-Cakes, Gebäck, das z.T. super lecker schmeckt, z.T. aber mit gekochten Eiern, Fleisch und Bohnen gefüllt ist und mit dem zuckrigen Geschmack des Ganzen nicht wirklich harmoniert… Ganze Straßenzüge leuchten in orange, gelb und rot, Lichterketten schmücken die Stadt und morgen Abend wird dann wohl um den Hoan Kiem See und in der Altstadt der Bär steppen, mitsamt Drachen, wuseligen Kiddies und Mopeds. Mal sehen, was uns da erwartet. Auf jeden Fall werden wir zu Fuß hingehen. Gelegentlich lernt man aus Fehlern…

Mein TV-Auftritt – ihr erinnert euch – wurde letzte Woche ausgestrahlt und beginnt Früchte zu tragen ;-) Will heißen, ich wurde von Journalisten angerufen und sie wollen einen Mega-Bericht über mich machen. Mit allen offiziellen und persönlichen Infos. Oh oh, mal sehen, was dann nachher ganz Vietnam über mich weiß. Sagt Bescheid, wenn ihr unerwähnt bleiben wollt. Die werden sicher ALLES fragen! (1,5Mio Worte lang soll der Artikel werden.)
Unser Stück und dessen Aufführung scheint inzwischen überdies auch tatsächlich Konturen anzunehmen. Wir haben die Reihenfolge festgelegt, wer wann welche Rede hält (das schien die erste und wichtigste Frage zu sein), welches Logo am Vorhang der Bühne prangen wird, einen Aufführungsort!!! (das Goethe-Institut), ein Datum (Di,17.10.), eine Budgetplanung, mit der wir alle mehr oder minder glücklich sind, die Sprechrollen sind verteilt, die Dialoge geschrieben, die erste (und einzige?) Gesamtprobe angesetzt… jetzt geht es in die letzte Phase, in der ich mit meiner Tanzklasse noch einiges ausarbeiten und richtig viel üben muss. Die Party im Flohzirkus wird ernst. Ich werde drei Kreuze machen am 18.10. (falls nicht noch urplötzlich eine Tournee geplant wird, man weiß ja nie) und um eine riesen- Portion Erfahrung in Konfliktlösung, wunderschöner Zusammenarbeit und Perfektionismus- Verabschiedung reicher sein. Ich halte euch auf dem Laufenden! Es wird natürlich auch alles vom TV-Team verfolgt und ausgestrahlt werden. Eine DVD bekomme ich davon, selbst wenn ihr nicht über Satellit oder Internet live dabei sein könnt…
So viel mal wieder aus der Stadt, die keine Stille kennt! Danke für all eure Kommentare und Ermutigungen. Freu mich immer sehr darüber ;-)