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Unpässlichkeiten, Ärgernisse und Skurriles

Sprache

Es gibt so schöne deutsche Worte, die Dinge klar und präzise ausdrücken können. Immer mehr merke ich, wie das Vietnamesische an sich eine sehr unbestimmte Sprache ist, wie die Vietnamesen selbst das beteuern und durch Wiederholen und Redundanz (in Zeitungen, im Gespräch) versucht wird, Klarheit zu erreichen. Für einen Begriff gibt es mindestens 3 Worte, für ein Wort zwischen 5-10 Bedeutungen, potenziert mit der Schwierigkeit und Variabilität von 6 Tönen… Ich werde hier ja von einigen Thám genannt. Nur vergesse ich das immer wieder, weil es so irreal ist. Vor kurzem also redete ein älterer Mann auf mich ein, und ich verstand immer, tham, also besuchen kommen oder tám (duschen)… Mir war sehr schleierhaft, was der Gute wollte…(die anderen Worte, die ähnlich klingen, kenne ich in diesem Fall noch nicht).
Aber zurück zu den Unpässlichkeiten. Nach sechs Wochen sagt man, beginnt die Gewohnheit. Also können wir ruhigen Gewissens auch mal die Dinge schreiben, die etwas schwieriger, anstrengend oder schlichtweg nervtötend sind ;-)

Gesundheitlich sind wir beide etwas angeschlagen, Julie „allergiert“ auf sehr viel und hatte von Anfang an Probleme mit der Haut, dazu kam eine Bindehautentzündung… Die Bakterien-belastete Luft und das nicht sehr saubere Leitungswasser tun ihr eigenes dazu. Ich meinerseits habe mir an einem noch heißen Motorradauspuff eine fiese Verbrennung 2.Grades geholt (DIE Verletzung Nummer eins unter Vietnamesen!!!!). Dazu liege ich seit 3 Tagen mit Grippe, Fieber, Husten und Gliederschmerzen im Bett.

Übel des Kapitalismus

Vor zwei Wochen wurden mir im größten Supermarkt Hanois, also dem Sündenpfuhl des Konsums ;-) aus meiner Einkaufstasche Handy und Geldbeutel gestohlen. Mit dem Ergebnis, dass ich ein neues, sehr primitives Handy habe… und meine Bankkarten gesperrt sind… Wir haben von 4 weiteren Freunden gehört, dass ihnen ähnliches, z.T. wiederholt passiert ist, auch Vietnamesen…

Nationalfeiertag


Am 2.September begehen die Vietnamesen ihren Nationalfeiertag, an dem 1945 das Land unabhängig wurde. Überall wird geflaggt, an JEDEM Haus. Wir haben den unbedachten Fehler gemacht, mit dem Moped vom Hoan Kiem See abends zum Mausoleum fahren zu wollen. Nach 20 Metern waren wir in einem Wust von tausenden von Mopeds gefangen, die einfach nicht weiterfuhren. Stop&Go bei 2km/h, weil alle einfach an den Bühnen anhielten, auf denen vietnamesische Volkstänze oder Theaterstücke aufgeführt wurden. Das heißt, der Verkehr kam komplett zum Erliegen. Wir manövrierten uns an den Straßenrand und gingen so lange in ein Cafe, bis sich alles wieder aufgelöst hatte.

Du bist zu fett!

Vietnamesen können sehr direkt sein, was bestimmte Dinge angeht, die bei uns Tabuthemen sind oder eher indirekt heraus gefragt werden. Die erste Frage gleich nach dem Namen, ist immer die nach dem Alter, dann die, ob man verheiratet ist und schon Kinder hat, wenn das verneint wird, ob man einen ban trai hat (einen Darling). Man darf im Leben nicht „nein“ sagen; einer solchen Frage muss entweder mit „ja“ oder „noch nicht“ begegnet werden. Sonst ist man sehr merkwürdig… Weiter geht es mit der Frage „ wie viele Personen in deiner Familie“ und „was arbeitet dein Vater“. Es ist auch nichts Verwerfliches dabei, nach dem Gewicht zu fragen (ob Männer oder Frauen) und dazu seinen Kommentar abzugeben. Ein Mädchen in meinem Tanzunterricht, die eine normale Figur hat und wohl an die 52 kg wiegt meinte, ihr werde immer gesagt (von Männern!!!) sie sei zu fett. Das perfekte Gewicht für Frauen hier sei 42-46 kg. Auch beim Kleiderkaufen gibt es meistens nur Größe 32-34 für Frauen. Wenn nicht noch kleiner. Ich muss nicht weiter ausführen, dass ich nicht selten schon leicht pikiert war von dieser Direktheit…

Tiere und Mitbewohner

Kakerlaken erschlägt man am besten mit einem in Papier eingewickelten Buch und entsorgt sie dann schlauerweise gleich, bevor sie anfangen, unglaublich zu stinken und sich Ameisen um sie lagern. Ja, Ameisen. Die gibt es auch überall. Auf der Seife, im Kulturbeutel, auf dem Laptop, in der Küche, im Wassertopf, … Ameisenstraßen auch, oft unerklärlich warum, woher und wohin, aber sie sind da. Weitere Mitbewohner sind unsere Lizzards (so eine Art Gekko oder Eidechse), die an den Wänden und Decken entlang huschen und nachts seltsame Laute von sich geben. Mit Flöhen und Stechmücken hatten wir natürlich auch schon diverse Begegnungen…

Wetter

Extrem ist wohl das einzig treffende Wort! Tagelang kann es hier brütend heiß sein, selbst nachts, so dass man aus dem Haus kommt und sofort triefnass ist. Dann wieder kann es Wolkenbrüche geben, die einfach nicht enden, der Himmel scheint lediglich aus Wasser und Blitzen zu bestehen, es donnert ununterbrochen, als würde alles zerreißen. Natürlich sind dann die Straßen überschwemmt, knie-bis oberschenkel-hoch. In viele Wohngungen regnet es rein oder sie sind überflutet. Da steht dann schon mal das Arbeitsleben still. Das also mal als Einblick der anderen Art in unser Alltagsleben in Vietnam!



6.9.06 04:57


4-wöchiges

Jetzt sind wir also tatsächlich schon 4 Wochen in Hanoi. Und neben Wohnung und allmählicher Unterrichtsroutine, stellen wir uns mehr und mehr auf das vietnamesische Leben ein. Wir kennen die Salsa-Clubs der Vietnamesen, haben unser Lieblingsrestaurant erkoren, pho schmeckt, Goethe ist fester Bestandteil unseres Lebens, wir haben viele vietnamesische Freunde gefunden…. Aber das wichtigste: eigene Mopeds!!!!!!!!!!
Wir haben auf Dauer nicht mehr ausgehalten, immer mit den Xe Om- Fahrern (xe steht für Moped, Om heißt Umarmung,…) zu verhandeln, ob sie uns für 2000 Dong mehr oder weniger kurze Strecken fahren. Also haben wir uns ins wahnwitzige Abenteuer gestürzt, das da „Hanoier Stadtverkehr“ heißt. Zwei vietnamesische Freunde haben uns letzte Woche Zeit, Honda und Geduld zur Verfügung gestellt und uns Moped fahren beigebracht. Inzwischen sind wir beide strahlend stolze Honda-Fahrerinnen (unserer Miet- Mopeds). Diese neue Freiheit ändert einfach alles!!! Unabhängigkeit, Freiheit, selbst Hanoi erkunden, sich verfahren, verheddern in den vielen Einbahnstraßen und verwinkelten Gassen der Altstadt, staunen staunen und nochmals staunen über den Verkehr und wie es doch irgendwie alles funktioniert. Wir haben natürlich Helme, auch wenn man hier eigentlich nie schneller als 30 km/h fährt…

Am Wochenende haben wir uns dann mal eine Auszeit von Hanoi genommen und sind mit dem abenteuerlichen Nachtzug nach Sa Pa gefahren, eine Bergregion im Nordwesten Vietnams, wo viele Minderheiten-Volksgruppen leben. Dort haben wir es uns mal so richtig gut gehen lassen, viel lecker gegessen, eingekauft, fotografiert, sind mit dem Moped durch die Reisfelder und Dörfer getourt, haben den wöchentlichen Open Air- „love market“ mit traditionellen Tanzdarbietungen besucht und das viele Grün und die Stille geatmet.





Mädchen der ethnischen Minderheitengruppe der H'Mong

Tanztechnisch sind wir mittendrin, das Stück, das wir mit unseren Tanzgruppen auf die Beine stellen wollen, gemeinsam mit unseren vietnamesischen Partnern zu konzipieren. Anfang September soll es schon mit den ersten Proben losgehen, die Aufführung ist auf Mitte Oktober festgesetzt. Es wartet also viel Arbeit und wird tatsächlich konkret!
Auch sonst sind wir mit den Tanzgruppen nach teilweise anfänglichen Schwierigkeiten oder Fluchtinstinkten warm geworden. Es macht richtig Spaß zu unterrichten. Noch dazu haben wir 3x die Woche von 8.00-9.30 einen Probenraum, in dem wir uns vorbereiten und Choreographien erarbeiten können, was auch genial ist
Wir haben echt eine super Zeit hier! Ich bin so froh, auch nach dem Projekt noch länger hier zu bleiben!!!!! Ich fühle mich sehr sehr wohl hier. Mal sehen, was so nach dem Studium alles passiert… ;-)
So long, in Vorfreude auf Kommentare und Emails!
29.8.06 12:32


12.8.06 11:01


Bauchmuskeltraining

…scheinen die meisten Vietnamesen noch nie gemacht zu haben – aber das ändert sich gerade mehrmals wöchentlich in Hanoi, in einer Schulaula, die von einer Blumen bekränzten Ho Chi Minh Statue überblickt wird. Wir sind fast am Ende unserer ersten Unterrichtswoche. Mein Körper mutiert zum Turnschuh, ich spüre jeden Muskel, mein Vietnamesisch spezialisiert sich auf Tanzsprache wie Wirbelsäule, Drehung, rechtes Knie beugen usw. und wir genießen den sehr privilegierten Lehrerstatus (in einem Land, das von Konfuzianismus und starken Autoritätshierarchien geprägt ist).

3x pro Woche unterrichte ich Modern und experimentelles Tanzen bei Jugendlichen, wobei wir vorbereitend natürlich auch viel Körperarbeit und Technik machen. Das ist die Gruppe, in der auch einige Gehörlose mitmachen, von der ich schon erzählt habe. Die sind alle so super! Sehr neugierig, aufnahmefähig, wissbegierig und lassen sich gerne und mit Spaß auf das ein, was ich anbiete. Einige schöne Kontakte ergeben sich hieraus auch. Sáng, ein Gleichaltriger (das ist ein Konzept, was wir in Deutschland nicht so kennen- gleiches Alter bedeutet sofort potenzielle Freundschaft, das scheint der erste wichtige Faktor zu sein, der übereinstimmen muss, mit Frauen wie auch Männern) der mich nach dem Unterricht jedes Mal auf seinem Moped nach Hause bringt, zwei Mädels, die mich immer einladen, gemeinsam wegzugehen. Viele hier sind sehr geduldig mit meiner Sprache und helfen mir, wiederholen oft genug, sprechen langsam, korrigieren mich. Da bin ich sehr dankbar und lerne auch wirklich (zumal der Großteil der Kids nur Vietnamesisch spricht).

Meine andere Gruppe- well, würde ich eher in die Kopfschmerz-Liga einordnen. Das sind an die 40 kleinen Mädchen im Alter von 5 – 10, zum Teil untänzerische Anfänger, zum Teil schon richtige Ballettmäuse. Und die ganzen Eltern schauen immer zu. Anfangs, vor jeder neuen Ansage, herrschen immer heilloses Chaos, Geschrei und Planlosigkeit. Ich komme gar nicht gegen die an. Wenn es dann aber soweit ist, und wir anfangen, stehen alle (bis auf die Kleinen, die immer leicht unkoordiniert umhertorkeln) kerzengerade in der ersten Position vor mir und erwarten Disziplin… Weder einen Kreis machen, indem man sich an den Händen fasst, scheint bekannt zu sein, noch Spiele, die man zur Auflockerung im Raum macht… Methoden also, die nicht ganz so auf eiserne Disziplin bauen. Am ersten Abend standen also dutzende als Ballerina verkleidete Kindergartenmädchen vor mir, die mich mit großen Augen anschauten, die Hand ihrer besten Freundin umklammerten und nicht loslassen wollten. Dazu 10jährige Mädchen, deren Körper schon sehr wissend ist und die auch konzentriert arbeiten könnten. In dem Moment wusste ich, ich muss mein komplettes Unterrichtskonzept umschmeißen und ALLES improvisieren. Noch dazu auf dem Podest der Halle, (auch hier neben Onkel Ho), damit mich auch die ganz hinten sehen können, vor den Augen der versammelten Eltern, zusätzlich die Sprachbarriere, alle im Tanzkostümchen und ich barfuss in Tanzhose und Shirt - da kommen Fluchtinstinkte hoch…Inzwischen habe ich beschlossen, was ich wie mache, ist richtig so , beginne die Kleinen zu lieben und habe auch ansatzweise eine Möglichkeit gefunden, „Binnendifferenzierung“, wie man so schön sagt, zu machen. Es kann also noch werden. Trotz allem bin ich nach den beiden Abenden mit den Prinzesschen immer komplett ausgelutscht. Da fragt man sich nicht länger, ob nicht stiere Disziplin einfacher und entspannter für den Lehrer wären… aber gerade das will ja nicht mein Konzept sein.

Dazu beginnt sich die Woche auch weiter zu füllen. Gestern war ich zum ersten Mal beim Ballettunterricht. Ich will selber ja auch weiter trainieren, in der Zeit, die ich hier bin. Eine vietnamesische ehemalige Ballerina gibt individuellen Unterricht. Da werde ich von jetzt an mit einer Japanerin zusammen jeden Donnerstag sein. Dazu kommen noch Trainings- und Vorbereitungszeiten, Sprachtandem, Sprachunterricht, soziale Kontakte…Di Choi heißt das hier, „spielen gehen“.

Ja, unser Netzwerk weitet sich, wir lernen natürlich immer mehr Leute kennen, seien es andere Praktikanten, Vietnamesen, die Deutsch lernen wollen, Leute, die ich von meiner letzten Reise hierher noch kenne, die hier arbeiten, Mittänzer aus den Kursen… Und nachdem wir umgezogen sind, haben wir jetzt endlich eine eigene Küche, sind dabei uns häuslich einzurichten und wohl zu fühlen, haben DSL in der Wohnung. Es lässt sich hier sehr gut leben! (außer der Baustelle direkt vor dem Fenster, wo ab 6h morgens gehämmert und gebohrt wird…aber das ist im Bauboom Hanois nichts Ungewöhnliches). Soweit erstmal für heute. Noch ein kulinarischer Einblick zum Abschluss: Das Bild zeigt Zutaten für Chà, ein super leckerer Nachtisch aus Bohnenglibber, das gibt es mit Bananen, Kokos, Reisgraupen… sieht spannend aus, schmeckt genial!

11.8.06 08:50


Pho, Goethe und Tanz

Die Tage hören nicht auf, herausfordernd, erlebnisreich und abenteuerlich zu sein… Gestern haben wir mal das Goethe-Institut ausfindig gemacht. Ich habe mich erstmal wie ein Bücher-Junkie auf Entzug in der Bibliothek aufgeführt, mir sofort einen Ausweis ausstellen lassen und mir gleich alles Mögliche ausgeliehen („Kopfschmerzbücher" hat das der Bibliothekar genannt, der übrigens an der Humboldt-Uni Bibliothekswissenschaften studiert hat) und alle sprechen da deutsch!!!! Auf der Speisekarte im Goethe-Cafe stehen sogar Rinderrouladen und Kartoffelbrei und Gulasch mit Brot. Und am Eingang des Instituts- ich konnte es nicht fassen! - wird ein fahrbarer kleiner Döner-Imbiss betrieben!!! Wer mich in Zukunft sucht, wird mich hier finden können... Ideal für Kultur- und vor allem Sprachpause!

Ja, Sprache…Heute war ich mal ganz allein ohne jegliche Übersetzer oder Menschen, die irgendeine Sprache mit mir teilen (gelegentlich spricht irgendwer deutsch, französisch oder englisch) beim Tanzen. Ich habe mitgetanzt, also noch nicht unterrichtet. Es war sogar ein alt gedienter Tänzer des traditionellen vietnamesischen Tanzes zu Besuch da, der uns eine Sequenz beigebracht hat. Das sind so wunderschön ästhetische, langsame Tänze, die vor allem mit den Haenden sprechen (und ganz schön Krämpfe verursachen). Jedenfalls stand ich dann heute vor der Herausforderung, ständig angesprochen zu werden und nichts zu verstehen und selbst irgendwas zu äußern und vor allem Verständnislosigkeit zu ernten. Diese Tonsprache macht mich wahnsinnig! Und zwingt mich dazu, über mich mit allen anderen zu lachen… Mit Ach und Krach haben wir schließlich aber eine Verabredung für morgen bewerkstelligt, so dass ich dann also weiter üben kann, am Samstagabend… Gut, dass das tolle Goethe-Institut gerade heute mit einer deutschen Lesung aufwartete- das war Balsam in abgequälten Ohren!

Neueste Pho- Geschichten aus Hanoi:

Gestern Abend haben wir mal die Ballett-Prinzesschen und aufgedrehten Teenie-Mädels im Kulturzentrum kennen gelernt. Julie wird mit den Teenies Hip Hop machen, ich mit den Kleinen (siehe Foto) Modern und mal sehen was noch so alles ;-)



Wir wurden von der Direktorin zur Pho Nudelsuppe eingeladen. Das war die Variante mit knochig-fettigem Entenfleisch (man denke an Vogelgrippe) und mit gaaaaanz viel ekliger, wabbeliger Leber, die fett obendrauf platziert war. Julie und mir blieb nur noch, uns zum guten Appetit auch gute Ideen zu wünschen, wie wir diese versenken, zusammen mit den Knochen unter den Tisch fallen lassen, dem moppeligen kleinen Bruder unterjubeln oder sonst was damit anstellen könnten…. Ich beschloss, einfach nicht so viele Nudeln rauszuschlürfen und die Leber darunter zu versenken. Auf dem Foto sieht man neben einem gewöhnlichen Pho- Hüttchen (meistens sitzen alle auf diesen Mini-Plastik-Hockern vor allem davor auf der Straße) noch einige der Teenie- Girlies und die Direktorin samt Moppelchen.



Dann kam heute Morgen um 6h ein Anruf von Julies Großonkel, der auch in Hanoi lebt, dass sie uns zum Frühstück zum Pho- Essen einladen wollen. So wird man doch gerne geweckt!

Julie sagte ab, aber irgendwie stand die Familie dann doch ein paar Stunden später vor der Tür und nahm uns auf ihren Hondas mit zu ihrem Stamm- Pho-Stand. Das war die beste Pho, seit ich in Hanoi bin! (und ja beileibe nicht die erste)

Wir ziehen am Montag in ein Apartment (s.Bild ganz oben) mit eigener Küche- da koche ich mir erstmal Griesbrei oder Gaisburger Marsch oder Maultaschen, Schnitzel, Sauerkraut….

Im Goethe-Institut verleihen sie auch deutsche Kochbücher!!! Sind die nicht super???? ;-)

5.8.06 11:28


Tag 5

Heute haben wir uns mal auf den Weg gemacht zur Friedrich-Ebert-Stiftung. Eine ehemalige Praktikantin von dort meinte, wir könnten dort mal nachfragen, wenn wir eine Wohnung suchen. Der Hondafahrer hatte natuerlich keinen Schimmer, wohin wir wollen, aber fuhr auf gut Glueck einfach mal los. Irgendwann kamen wir tatsaechlich nach viel Durchgefrage an und natürlich prompt zum Mittagessen. Das war nicht schlecht- wir hatten noch nicht gefruehstueckt und durften unkomplizierterweise natuerlich gleich mitessen. Sehr edel! Und alle sprachen deutsch! Wir haben neben einem tollen Tipp, wo wir wohnen können (und wohin wir tatsächlich auch bald umziehen werden) noch so wichtige Infos herausbekommen wie Clubs zum Weggehen, Salsa- Partys, die besten Straßen zum Essengehen… und mal wieder einige Telefonnummern ausgestauscht. Unser Netz an Kontakten beginnt sich zu weiten...

Am Nachmittag ist Julie dann los zum Hip Hop Club, in dem sie trainieren und ihren Unterricht vorbereiten kann. Ich habe heute mal dem Theater- und Tanzzentrum einen Besuch abgestattet. Beeindruckend fand ich zuerst, dass sie integrierende Arbeit mit taubstummen Jugendlichen machen, 5 von den 15 sind gehörlos. Dann die Art der Arbeit, wow, ich war begeistert! Sehr viel Technikarbeit mit Körper- und Sinneswahrnehmug, Balance, Isolation, Koordination, Spannungsaufbau, sehr viel freies Tanzen, Partnerarbeit und Ausdruck. Sehr individuell und das Genialste war, als sie dann anfingen, Contact zu tanzen!!!! Ich freu mich riesig darauf, mit ihnen zu arbeiten! Das ist die Richtung, die ich kann und mache und die so richtig Spaß macht, weil sie so individuell ist, so frei zum Improvisieren und dem Körper einfach die Möglichkeit gibt, zu sprechen. Ich hätte im Leben nicht geglaubt, dass es Vergleichbares in Hanoi geben würde!!!



Weil mein Name für alle unaussprechlich ist (und ich bei meinem letzten Aufenthalt schon Lacher geerntet habe, als ich mich mit Andi vorstellte - das heisst "los, iss!", heiße ich seit heute Thám (mit dem Ton nach oben). Ich kann mich sogar schon in Gebaerdensprache vorstellen... Vielleicht sattle ich ganz auf Gesten um, irgendwie wollen mich die Vietnamesen nicht so recht verstehen, so sehr ich mir auch Muehe gebe mit diesen Toenen und Stoehnlauten...

Morgen haben wir einen „Termin" mit dem Kulturzentrum unseres Stadtteils, in dem wir auch 2 Mal pro Woche unterrichten werden, um mal die Gruppen kennen zu lernen. Das sind vor allem Kinder und was Tanz angeht Anfaenger. Wird bestimmt lustig, so eine bunte Mischung an Tanzgruppen zu betreuen.

Das Schöne ist, dass sowohl der Leiter des Hip Hop Clubs, als auch der Trainer des Theater-Tanzzentrums schon lange eine Vision davon haben, eine Aufführung in die Wege zu leiten, die die verschiedenen Tanzgruppen in Hanoi zusammen führt, Hip Hop, freies Tanzen, Bewegungstheater, Modern… das kommt dem sehr nahe, was wir als unser Projektziel angepeilt hatten. Bin sehr gespannt, was sich da noch ergeben wird!

Wirklich, ich hätte nicht gedacht, dass sich so schnell so viele Türen öffnen würden und es schon in der ersten Woche so aussieht, als könnten wir gleich durchstarten. Die Vietnamesen, die uns betreuen, haben sich ganz schoen ins Zeug gelegt und so viel in die Wege geleitet. Es war ja bis vor einigen Wochen noch nicht einmal klar, welche Art von Tanzgruppen es gibt, mit denen wir Kontakt bekommen koennten...

Wir werden mal die Hindernisse abwarten, die vielleicht noch auf uns zukommen - wir halten euch auf dem Laufenden…

2.8.06 15:07


erste Eindruecke von Andrea

Momentaufnahme im vietnamesischen Internetcafe: gleichzeitig laufen 4 verschiedene Sounds, von Computerspielen, aus der Stereoanlage oder vom Internetradio, natürlich auf höchster Lautstärke, Kinder und Hunde wuseln durch den engen Raum, dazu das nie abbrechende Gehupe von der Straße herein, das Knattern der Millionen Hondas, rufende Verkäufer… wie gut, dass es USB- Sticks gibt!

Wenn wir in die Altstadt wollen, ist das ein Projekt- zuerst winken wir einen Honda-Fahrer heran. Dann kommt das Verhandeln. Ein guter Preis für die 15-minütige Strecke zu zweit hinten auf dem Motorrad drauf sind 15.000 Dong, also 75 Cent. Oft verlangen sie erstmal das 3- oder 4-fache. Die Frage bleibt dann nur noch, ob man auch einen vertrauenswürdigen Fahrer ausfindig gemacht hat, der genügend Sprit im Tank hat und sich galant und halbwegs Knie-sicher durch den – wirklich VERRÜCKTEN!!!!- Verkehr Hanois schlängeln kann. Ich hatte ja mal mit dem Gedanken gespielt, mir auch eine Honda zu leihen, für die Zeit, die ich hier bin. Hatte!!! Wenn dann wohl höchstens ein Fahrrad…

Im alten Stadtkern dann, am Hoan Kiem See verkauft jede Straße etwas anderes- in einer gibt es nur Geschäfte mit Spielzeug, in der anderen nur verglaste Schränke, in der nächsten nur getrocknete Pilze, eine weiter vergoldete Türknäufe und Haken, um die Ecke nur Babywaren…

Nach anstrengendem Extrem-Shopping kehrt man dann entweder in ein Straßencafe ein zum leckeren vietnamesischen Eiscafe (mein Favorit!) oder zu Pho, der Nudelsuppe, die hier zu allen Tages- und Nachtzeiten (auch zum Frühstück um 7h- nicht ganz so mein Favorit&hellip gegessen wird.

Was unser Tanz-Projekt angeht, laufen die ersten Tage und Wochen die Vorbereitungen, die Gespräche mit den wichtigen Kontaktpersonen (in Vietnam das A und O), wir sehen uns die Gruppen an… viel mehr und Konkretes zu erzählen wird es darüber also erst in einigen Tagen geben. Am Sonntag haben wir schon mal ganz schnell ohne Vorankündigung einer Kindergruppe einige Choreographien beigebracht. Wenn das klappt, lade ich noch ein Foto davon hoch, wie Julie mit ihnen Hip Hop tanzt. Allerdings bin ich mit den Internet Cafes, wie man ja vielleicht ahnen kann, noch nicht so wirklich auf Du und Du.

Julie ist durch ihre Vietnamesisch- Kenntnisse natürlich der Joker und ich bin sehr stolz auf sie! Ich komme in den vielen Diskussionen und Absprachen nur der Spur nach mit, worüber gesprochen wird und kann dann meine paar Sprüche einbringen, wenn ich gefragt werde ;-)

Vietnam ist eine andere Welt. Irgendwie ist es schön, wunderschön und spannend! So vieles ist so anders, so unverständlich, auch anstrengend, so viel herzlicher, familiärer, und auch so viel chaotischer. Dann aber sind die Menschen doch so ähnlich. Zwei der vietnamesischen Künstler, mit denen wir zusammen arbeiten, könnten zum Beispiel auch aus Berlin sein. Im Moment habe ich noch nicht entschieden, ob es überwiegend anstrengend oder faszinierend ist, was hier so anders und fremd ist. Das wird sich in den Phasen des Kulturschocks sicher noch oft ändern.

Bald mehr! Freuen uns ueber eure Kommentare und Emails!!!!

 

1.8.06 15:54


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