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The Sound of Vietnam

Meine Vietnamzeit neigt sich dem Ende zu. Noch 10 Tage, dann werde ich mich von meinem vietnamesischen Leben bis auf Weiteres verabschieden. Der letzte Eintrag soll dem gewidmet sein, worin sich Vietnam in allererster Linie auszeichnet und von allem unterscheidet, was ich in Deutschland gewohnt bin- seiner unvergleichlichen Geräusche, Sounds und der Lautstärke! Nehmen wir einen ganz normalen Tag mit seinen verschiedensten Reizen auf das Trommelfell, die in mein Zimmer dringen. Ich wohne in der „traditional food street“ Haonis, die vornehmlich von Einheimischen bevölkert wird. Dazu kommt, dass sie die einzige Straße der Stadt ist, die nicht dem Zapfenstreich unterliegt, sondern tatsächlich die ganze Nacht hindurch geöffnet hat. Wenn also um 5Uhr früh die letzten grölenden Gäste mit ihren knatternden Mopeds davon fahren, fangen bereits die ersten wieder an, Nudelsuppe zu kochen und wild mit dem Geschirr zu klappern. Morgens, normalerweise um 6Uhr beginnt auch der Baustellenlärm (keine Ecke Hanois ohne Baustelle!). Das heißt, Steineklopfer, die mit einer zum Wahnsinn treibenden, penetranten Beständigkeit mit Hammer und Meissel die Überreste der bis aufs Skelett abgerissenen Gebäude zerkleinern, aber auch die Metallsäger, Bohrer, Schleifer… wahrscheinlich unnötig zu sagen, dass die Fenster hier nicht gedichtet sind. Man hat das Gefühl der Presslufthammer rotiert im eigenen Bett, alles vibriert und man versteht sein eigenes Wort nicht mehr! Jetzt kommen die Obst- und Gemüseverkäufer auf den Plan, die in einem ewig gleichen Singsang in nahezu mechanischen Stimmen ihre Ware anpreisen. „Ai muon mua cam truoi?“ (Wer will frische Orangen kaufen?) Stellt euch eine Telefonansage vor, die 20 Minuten dasselbe sagt und dabei immer auf dem letzten Wort einen Halteton singt… Um 7Uhr (genauso wie um 17.30) kommen dann immer die Lautsprecher zum Einsatz. Strategisch und flächendeckend in der ganzen Stadt platziert, beginnt dann auf höchster Lautstärke das Propagandaprogramm. Eine forsche Frauenstimme verkündet vietnamesische News und noch 20 Minuten später schallen Marschlieder durch das Land. Das Schlimme an diesem Lärm ist, dass er soooo laut ist und auf einer so fiesen Frequenz daher dröhnt, dass selbst Ohropax einfach nichts dagegen ausrichten können. Zu meinem Unglück ist der Lautsprecher auch keine 7 m Luftlinie von meinem Balkon entfernt. Ab halb 8 beginnt die rushhour. Ein solches Geknatter und Gedröhn kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen. 
Tausende von Hondas auf einmal. Es ist, wie neben einer Waschmaschine im Schleudergang zu stehen nur noch mit zusätzlichem Hupkonzert. Oh ja, die Hupen! Himmel hilf! Ich hätte nie gedacht, wie garstig solche Hupen sein können! Vor allem, da ja in unserer deutschen Kultur vor allem an Hochzeiten die Hupe mal zum Einsatz kommt. Sonst ja nur, wenn man wirklich arg verärgert ist. Aber hier hupt man immer und überall und andauernd. Es heißt meistens- „ich weich nicht aus, pass auf!“ oder ist einfach nur ein „Hallo, ich bin auch da!“. Busse und PKWs haben die schlimmsten Hupen. So laut, dass ich oft vor Schreck schon fast vom Moped gesprungen wäre oder als Variation warten einige auch mit einer Art andauerndem Postbus-Gedudel auf. Manche bellen wie Reibeisen daher, andere quaken durchdringend und nervenaufreibend. Die vielen Schilder mit durchgestrichenen Hupen sind eine Farce. Sie stellen wie die Ampeln einfach nur Empfehlungen dar, die aber jeder belächelnd umgeht, solange kein Polizist daneben steht… Ach ja, ich habe vergessen zu erwähnen, dass eine Häuserreihe weiter die Schienen verlaufen. Der Hauptbahnhof ist nicht weit weg von hier, mitten in der Stadt und auch die Schienen führen mitten durch. Oft nur 1m von den Häuserwänden entfernt. Der Zug hat auch ein irrsinnig lautes Tuten.  Aber das alles stört den Vietnamesen nicht. Seelenruhig kann er noch neben der größten Baustelle oder an der belebtesten Straße seine Hängematte aufhängen und schlafen. Beneidenswert! Wobei ich sagen muss, dass ich inzwischen vieles auch nicht mehr wahrnehme. Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass das Empfinden von lauten oder unstimmigen Geräuschen als Lärm anerzogen und kulturell bedingt ist. Wer hier ein Radio, TV oder gar eine Karaokeanlage hat, dreht diese auch bitteschön bis zum Anschlag auf. Ob mehrere Musiken und TVs gleichzeitig in einem Raum laufen, spielt hierbei erstmal keine Rolle. Meine Theorie ist ja auch, dass deswegen die Asiaten allgemein, und hier vornehmlich die Vietnamesen, so gerne Karaoke singen. Das ist der Freizeitvertreib, bei dem sich eine große Gruppe Jugendlicher stundenweise in einen schalldichten Raum einmietet, einen riesigen Flachbildschirm, zwei Mirkofone samt einem Menü für Lieder zur Verfügung gestellt bekommt, und dann selbstvergessen bei ohrenbetäubender Lautstärke Songs schmettert. Weder schön noch richtig noch musikalisch- Hauptsache laut! Andere Sound- Skurrilitäten, beginnen dann am späten Nachmittag. Da kommen die fahrenden Waagen und Popcorn- Verkäufer. Kennt ihr diese Geburtstagskarten, die, wenn man sie öffnet, in so einem piepsigen Ton „Happy Birthday“ dudeln? Genau die! Nur ums 20fache in der Lautstärke aufgedreht. Der Sound kündigt die fahrbaren Dienstleistungen an. Happy Birthday Gepiepse kommt meist von einem Fahrrad, das auf dem Gepäckträger eine Popcornmaschine festgeschnallt hat, mit einem beleuchteten Plexiglaskasten drumrum, aus der unablässig Popcorn schießt. Es kann aber auch mal „We wish you a merry Christmas“ oder „Jingle Bells“ sein (zu jeder Jahreszeit). Wobei sich allerdings mit Jingle Bells oder aber Lambada oft auch die Waagenmänner Gehör verschaffen. Da kaum ein Vietnamese eine eigene Personenwaage besitzt, kommen also Männer mit riesigen Waagen durch die Straßen gefahren. Solche, die bei uns die Ärzte haben, wo gleichzeitig ein verstellbares Maß von oben die Körpergröße erfasst. Das beängstigende an der Sache ist, dass die Waage dann alle ermittelten Daten (natürlich alles andere als diskret leise) herausposaunt und Ratschläge zum Besten gibt. Ich werde dieses Ding höchstens mal nutzen, um vor der Abreise meinen Rucksack zu wiegen… Zu Einbruch der Dunkelheit bimmelt es dann. Wie in Kleinstädten Deutschlands die Eierfrau oder das Fischauto. So eine Klingel. Damit zieht die städtische Müllabfuhr durch die Straßen (Karren ziehend und Müll einkehrend) und fordert die Leute auf, ihren Abfall rauszustellen. Zur Essenszeit, beginnt dann auf der „eat street“ das Leben. Das Schmatzen höre ich zugegebenermaßen nicht bis in den 5. Stock ;-), aber die andauernden Trinksprüche und johlenden Zurufe, das Platzenlassen der Vakuum verpackten feuchten Tücher, schreiende Kinder, Schalentierüberreste, die auf den Boden geworfen werden, Geschirrgeklapper, die Mopeds, die dauerhupen, um durch die enge, mit Tischen und Stühlen blockierte Gasse zu navigieren, … oft beginnt dann um 22h wieder der Baustellenlärm von Neuem, da LKWs nur nachts fahren dürfen, bzw. viele Familien ihr eigenes Haus nach Feierabend selbst (um)bauen. Dann kann es sein, man hört noch zu später Stunde ein Geklapper wie Kastagnetten. Das ist meist ein mysteriöser Fahrradfahrer mit einem kleinen Köfferchen. Der Masseur, so habe ich mir sagen lassen. Er hat wohl allerhand Pflästerchen und Gläser (für eine Art Saugtherapie) dabei. Hab ich mich noch nicht rangewagt...Also auch eine Art Service frei Haus. Was dann noch abgeht, hat mich anfangs oft aus dem Schlaf schrecken lassen- die Kater, die über die Dächer springen und ein Gezeter veranstalten, dass man meinen könnte, ganze Schweineställe würden geschlachtet werden oder, und das war das Beängstigendste, als würden Kinder lauthals schreien… Aber das alles ist inzwischen so normal geworden, dass ich trotz allem seelenruhig (na gut, außer bei der Marschmusik) am PC weiterarbeiten oder schlafen kann. Ich werde mit Sicherheit meine Zeit brauchen, um mich wieder an die Stille Deutschlands zu gewöhnen...
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Adventszeit-Erdbeerzeit
im Dezember geht es los mit den Erdbeeren in Vietnam. Wäre ich noch in Hanoi, würde ich gleich mal Erdbeermarmelade kochen. Ja, aber seit zwei Wochen darf sich Saigon meiner glücklich schätzen und hier reicht meine Kochausstattung nicht über einen Wasserkocher für Kaffee und Instant- Nudeln hinaus… Dafür weihnachtet es hier umso mehr- in tropischer Hitze stehen Engel, Nikoläuse und Schneemänner vor den großen Kaufhäusern Spalier, neon-grelle Girlanden und Weihnachtsmann-Kostüme für Kinder säumen die kleinen Straßenläden. Eben hab ich mich mit sehr originellem Weihnachtsschmuck versorgt- quietschbunten Sternchen und Glöckchen… Die werden die unvergleichliche Harmonie meines Hotelzimmers komplettieren, das bereits mit einem Plastikweihnachtsbaum und einem Adventskalender aufwarten kann. In weiser Voraussicht von meinen Eltern importiert, um mir die Adventszeit zu verweihnachtlichen… Also kurz der Reihe nach- Mitte November waren meinen Eltern für 2 Wochen hier, um mich zu besuchen und das Land kennen zu lernen. 
Wir haben die (begründet!) obligatorische Ha Long Bucht umschippert, Hanoi auf dem Moped unsicher gemacht, und uns dann über Zentralvietnam (Hoi An ist und bleibt der schönste Ort Vietnams!) in den Süden des Landes aufgemacht, ins Mekongdelta und nach Saigon. Es war eine wunderschöne Zeit, oft mit so traumhaften Gegenden und Eindrücken, dass es nahezu surreal war. Ich hab die Reise mit ihnen total genossen, vor allem mich auch mal richtig verwöhnen lassen, nichts geplant, super gegessen, Hotelpools und Meere durchschwommen… Für meine Eltern war es wohl auch eine unvergessliche und sehr eindrucksvolle Zeit (stimmt’s?). 
Aber kaum in Saigon angekommen, und meine Eltern souvenirbeladen in den deutschen Winter entsandt, ging es hier los mit Arbeiten - Unterrichten im Goethe-Institut. Ich hab zwei sehr liebe Klassen (die eine mehr, die andere weniger fleißig ;-) ), tolle, unterstützende Kollegen und wurstle mich immer mehr ins Material ein. Allmählich gewinne ich auch Übung darin, langsam und nicht allzu komplex zu sprechen. (Ihr könnt euch nicht ausmalen, wie kompliziert das ist! Erklärt mal was ohne Nebensätze, Modalverben und Konjunktionen!) Herausfordernd bleibt die Kontrolle meiner Gesichtszüge, die mir gelegentlich entgleisen, wenn mir mal wieder eine freundliche Schülerin von ihren mitgebrachten Snacks anbietet- erst tarnt sich das meist kleine braune Ding als Süßigkeit, bis es sich als extreeeeeem saures Etwas entlarvt, das einem die Plomben noch aus den Zehen zieht! Mal wieder ein Beweis, wie unterschiedlich doch Geschmack sein kann, noch dazu das Empfinden von Genuss!!!! Experimentierfreudig bin ich trotz allem noch halbwegs geblieben, wenn auch schon bei Weitem vorsichtiger. Der Griff zum Instant- Tamarinden Tee (zugegebenermaßen in erster Linie motiviert durch das Trinkglas als freie Zugabe) hat sich allerdings als glücklich erwiesen… Was meine inzwischen noch eintönigere Kost (Nudelsuppe, Nudelsuppe und gelegentlich Reisnudelsuppe) durch Vitamine ergänzt. Bo sung C steht groß auf der Packung.  Das Wort für Vitamine und Mineralien hab ich heute erst gelernt. Bei meinem wirklich lieben und lustigen Thay Hung. (Thay ist die Anrede für Lehrer, co die für Lehrerinnen… ich bin also co Andrea ;-)Er gab mir den weisen Rat, mir doch die bao phu nu, die vietnamesische Frauenzeitung zu kaufen. Mit dem Ergebnis, dass ich erstaunterweise ziemlich viel verstehen kann (bleibt die Frage, ob das mehr über meinen Lernfortschritt als das Niveau der Zeitschrift aussagt) und sich mein Wortschatz nun von „Wirbelsäule drehen“ und „synchron tanzen“ (Tanzunterricht) über „Krieg“ und „Revolution“ (Spuren meiner Museumsbesuche) bis hin auf „fremdelnde Kinder“ und „Frischhaltemethoden für Obst und Gemüse“ erstreckt. ;-) Inzwischen kann ich mich sogar tatsächlich mit Leuten länger als 5Minuten unterhalten. Was den schönen Effekt hat, meine Hotel-Ladies besser kennen lernen zu können, aber auch anstrengend wird, wenn man einen aufmerksam gewordenen Museumsaufpasser einfach nicht mehr abwimmeln kann, wenn man einmal durchblicken hat lassen, dass es nicht nur auf dessen rudimentäres Englisch ankommt, sondern das Gegenüber sich ebenso rudimentär in dessen eigener Sprache bewegt…. Ich kauf mir bald mal nen Ring…. Saigon- um ehrlich zu sein hab ich die Stadt am Anfang gehasst. Ich hätte mich sonst wo hin beißen können, dass ich nicht in meinem schnuckeligen, heimischen, bekannten Hanoi geblieben bin, wo ich Freunde habe, mich auskenne, die Leute besser verstehe (hier spricht man einen starken Dialekt, fast schon eine Sprachvariante von dem Vietnamesisch, das ich gelernt habe), weiter in meinen bekannten Kreisen Tanz unterrichten hätte können, Karaoke-Bars und Export-Läden (die Ginger Ale und Schwarzbrot verkaufen) kenne… Die Stadt hier ist fast dreimal so groß, laut, schwammig, nicht greifbar, anfangs abweisend, so viel kommerzieller und hat weniger Charakter. Alles scheint konturlos ineinander zu verschwimmen, ist 
neu, fremd, macht verletzlich, einsam… Ich war kurz davor, meine Sachen zu packen und zu gehen. Aber jetzt blüht natürlich alles ;-) Ich hab mich eingelebt, bin wieder Moped- mobil und unabhängig, habe zwei Freunde aus Deutschland getroffen, die mich ein wenig eingeführt haben, kenne inzwischen mein Schwimmbad, eine Kung Fu –Crew im Park, die Montags-Salsa-Bar „Berlin“, rekrutiere fleißig Leute zum Badminton und beginne das Spiel „wer sammelt die meisten Visitenkarten- und Telefonnummern“ aufs Neue. Generell sorgt aber auch die Weihnachtszeit für genug Abwechslung. Kultureller Art. Das Goethe-Institut bringt ein Dürrenmatt-Stück auf die Bühne, zu dem wir heute Abend in die Oper gehen (Der Besuche der Alten Dame! Das Genialste!!!!), dann gibt es noch eine Studentenparty, für die die Klassen fleißig Schunkellieder und deutsches Volksgut einstudiert haben wie „Horch, was kommt von draußen rein?“ oder „An der Nordseeküste“ oder „Auf der Reeperbahn“… Thema sind die deutschen Bundesländer – in jeder Form und Unform... Es wird wohl auch kulinarisch ziemlich deutsch zugehen. Zudem stehe ich bereits auch auf der Gästeliste des deutschen Konsuls für die Weihnachtsfeier. (Das lässt Andrea hoffen! Vielleicht mal wieder Braten und Spätzle und Wein???) Ach, was gäbe ich um einen Glühwein, jetzt, auf einem deutschen, altstädtischen Weihnachtsmarkt! In der Kälte und passenden Weihnachtsstimmung, dick eingemummelt, mit gebrannten Mandeln und Lebkuchen! Ich beschwöre Euch: wenn ihr die Kälte und Dunkelheit satt habt- denkt an mich, dass ich euch gerade soooo darum beneide! Ich SEHNE mich regelrecht danach, mal wieder einen Pulli tragen zu können und nicht schon beim Morgenkaffee in Schweiß auszubrechen! Genießt die Adventszeit! Freu mich von euch zu hören, auch wenn ich momentan leider nicht mehr so viel wie seither im Netz sein und antworten kann!!
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Reise und Neuigkeiten

Die Aufführung ist über der Bühne- man buchstabiert: URLAUBSREIF. Julie und ich wählten die Option, die uns anschließend Hanoi wieder als ruhige, langsame Stadt erleben lassen würde: Bangkok. Die Stadt, in der man nach Herzenslust Shopping- Malls leer kaufen oder Starbucks und Subway frönen kann, in der es keinen Zapfenstreich gibt, an jeder Ecke das Bildnis des Königs flaggt, in der man Muskelkater von der so genannten Thai Massage bekommt (die einfach nur schmerzhaft ist!!!), wo nachts gestrandete 68er Überbleibsel und Hippie- Verschnitte „Country roads“ trällern, Arm in Arm mit einer 30 Jahre jüngeren Thai… Wer shoppen will, Party machen, Hektik erleben, stundenlange Verkehrsstaus (es verstopfen nicht wie in Hanoi 1000 Hondas, sondern 1000 Autos die Straßen), aber auch endlich mal wieder lecker schmackhaftes, gut gewürztes Essen genießen, große Bücherläden finden möchte - willkommen! Zwei Tage gönnten wir uns noch auf einer Badeinsel, die abgesehen von den Shopping Malls und dem nicht vorhandenen Verkehr den obigen Möglichkeiten Bangkoks in nichts nachstand.
Hier dann also, in Thailand trennten sich unsere Wege- Julie trat ihre Rückreise nach Deutschland an- für mich ging es noch einmal eine Woche lang ins Backpacker-Abenteuer. Mein hehrer Plan war eine Reise allein von Thailand ins ländliche Laos. Genauer ausgedrückt- mal wieder eine asiatische Odyssee. In Laos wollte ich zwei Freundinnen besuchen, Eva und Dani, die momentan dort mit ASA ein Projekt meistern. Naja, da aber bereits der Nachtzug 4h Verspätung hatte, verpasste ich den direkten Bus, der mich über die Grenze und nach Pakse bringen sollte, der Ort, in dem meine Freunde auf mich warteten. Also blieb mir, nachdem ich meinem Taxifahrer die Vorschläge, seinen Sohn zu heiraten, erfolgreich ausgeschlagen hatte, einen Bummelbus bis zu irgendeinem Dorf zu nehmen, dann mit dem Tuk Tuk (Äh, Erklärung??? Fährt so, wie es heißt, kleine halb offene Ladefläche, s.Bild) zum Grenzort, Fußmarsch über die Grenze, wieder mit einem Tuk Tuk in die Nähe von Pakse, mit einem Mini- Tuk Tuk dann in die Stadt. Trotz 6stündiger Verspätung wartete meine Freundin Eva mit laotischer Gelassenheit immer noch auf mich (wie gut, dass es Sudoku gibt…). Was mir dann bevorstand waren 4 Tage absolute Ruhe, Entspannung, bauernhöfische Pampa, Elefanten, Wasserfälle, laotische Bambuspfeifen, schlafen, lesen. Man hat einfach keine Möglichkeiten in Tadlo. Wie gut.
Etwas zu entspannt und unbedacht trat ich dann meine Rückreise gen Vietnam an. Zwei Nachtbusse, nichts leichter als das! Eine Nacht von Pakse in die Hauptstadt Vientiane, die nächste Nacht von dort aus nach Hanoi und schon bin ich wieder da. Wie naiv man sein kann! Hätte ich geahnt, was mir alles blüht… Nach einem 40 Minuten Marsch zur Bushaltestelle wartet man dort auf den Bus, und harrt der Dinge, die da kommen oder nicht. Nach 2h Fahrt nach Pakse wurde mir dort feierlich eröffnet, dass gerade heute alle Busse ausgebucht seien, weil das Hauptfestival Laos’ am nächsten Tag in der Hauptstadt stattfinden solle. Klar, Asien wäre nicht Asien, wenn es nicht immer diese „Zufälle“ gäbe. Wissend, dass Beharrlichkeit und die Bereitschaft, einen „teureren Bus zu nehmen“ etwas bewirken können, gab es also doch noch irgendwie einen Platz. Ich weiß nicht, wer alles geschmiert wurde und ob dadurch irgendwer in Pakse noch eine Nacht Sudoku machen musste, aber ich war drin und stand von meinem Sitzplatz nicht mehr auf. (Man lernt, dass man nichts trinken darf, die Pinkel-Stopps sind nur für Männer gedacht.) Ein herrlicher Tag in Vientiane blieb mir bis zum nächsten bösen Erwachen. Der „Nachtbus“ bis Hanoi braucht also doch 24 h, oh tatsächlich, was Sie nicht sagen! Ach, und er hat keine Toiletten? Sieh mal einer an! Und die Klimaanlagen kann man nicht ausstellen und selbst drei Pullis helfen da nicht? Und die Sitze sind halb so breit wie gewöhnlich, wenn sie nicht zusätzlich aus dem Leim gehen? Und ein netter kräftiger junger Mann wird neben mir sitzen, der Dreiviertel des Zweiersitzes in Beschlag nimmt und mir kontinuierlich und treffsicher im Schlaf seinen Ellbogen in die Seite rammt und im Wachzustand unaufhörlich reden will? M-hmmm! Ach, und an der Grenze werden auch Leute, deren Pass nicht gültig ist einfach rübergeschmuggelt? Und leiernde Karaoke-Musik ist gratis inklusive? Na dann! Nichts wie rein ins Vergnügen!
Schnitt 2 Tage nach der Ankunft: Sitzfleisch wieder massiert und reaktiviert, Dehydrierung reduziert, Schlafdefizit noch nicht wieder ausgeglichen: Geburtstag auf Vietnamesisch. Nur einige Highlights- deutsches Mittagsessen mit Rouladen, warme Sonne im November, die Hotelrezeptionisten überbrachten mir einen Blumenstrauß mit dem Wunsch „ success and a boyfriend in your next year“, mit meinen 30 Tänzern Chè gegessen (Glibbermasse in allen Farben in Milch) und ich brauchte eine Eskorte, um die ganzen Blumengebinde und Geschenke nach Hause zu transportieren, Hotpot am See in lauer Mondnacht mit tollen Freunden, Vietnamesische Tiramisu-Torte konsumiert und in einer Karaoke Bar so richtig alles rausgelassen, was nur ging! What a day!
Aber damit noch nicht genug- es gibt einige Neuigkeiten in meinem Leben. Ja, ich habe mir also doch das Heiratsangebot des Taxifahrers etwas mehr zu Herzen genommen und werde wohl wieder nach Thailand gehen um mir noch mal das Foto des Sohnes anzuschauen. Der Vater verdient recht gut und der Sohn mag helle Haut. Also steht unserer Hochzeit eigentlich nichts mehr im Wege. Spaß beiseite. Nein, ich will den Sohn natürlich vorher schon wirklich kennen lernen. Er studiert in Bangkok und spricht wohl auch ganz gut Englisch, bis ich genug Thai kann. Nee, im Ernst - ich werde umziehen. Allerdings bleibe ich in Vietnam, es geht nach Saigon. Ich werde dort im Goethe-Institut unterrichten, und im Dezember da einen Kurs mit übernehmen. Ich hatte schon die letzten Monate hier in Hanoi im Goethe-Institut hospitiert gehabt und unterrichtet, aber jetzt wird es richtig losgehen. Und da dort gerade ein Engpass an Lehrern ist, ist das für mich eine Möglichkeit, mir noch einmal eine andere Stadt Vietnams zu Eigen zu machen. Eine Stadt, die Hanoi nicht unähnlicher sein könnte, da in Saigon die Marktwirtschaft schon seit Jahren triumphierenden Einzug gehalten und das Stadtbild sowie die Menschen stark geprägt und verändert hat. Das heißt aber auch Abschied nehmen von hier und den Freunden, die mir so lieb und wichtig geworden sind und mich noch einmal auf ein neues, bisher fremdes asiatisches Wirrwarr einlassen. Saigon ist um einige Grade schärfer als Hanoi, leider auch gleich bleibend heiß (ächz) und das Vietnamesisch dort entspricht wohl einem Schwyzerdütsch. Ich bin sehr gespannt, irgendwie aber auch wehmütig.
Zusätzlich kommen morgen meine Eltern für 2 Wochen und gemeinsam werden wir dann ab 18.11. auf der Reise gen Süden sein, womit ich gleich meinen Umzug nach Saigon verbinden werde. Entschuldigt also, wenn ich mich in den letzten Wochen wenig gemeldet hatte oder es in den kommenden kaum tun werde. Dinge überschlagen sich momentan. Und Im Januar komme ich dann ja auch schon wieder nach Deutschland zurück!
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Aufführung

Meine Haare riechen nach Schokotorte, der Nacken ist noch verklebt und sämtliche Kleider weichen gerade im Waschbecken ein, damit Sahne und Schokolade hoffentlich keine Spuren hinterlassen. Ergebnis einer Tortenschlacht in meiner Tanzklasse… Deren Leiter hatte heute Geburtstag, aber zur Feier des Tages kam noch die Ausgelassenheit der einfach gelungenen Aufführung gestern Abend. Es gab allen Grund zum Feiern!

Die Aufführung- ja, das Sorgenkind, die Bauchschmerzen und schlaflosen Nächte der letzten Wochen ist über die Bühne gebracht. Ich kann nicht anders sagen, als dass sie ein voller Erfolg war und super ankam! Im Hof des Goethe-Instituts stellten sich gestern Abend wohl an die 200 Leute ein, überwiegend Vietnamesen, plus die 60 Tänzer und Schauspieler unseres Stücks. Jeder, der irgendwie wichtig war und was zu sagen hatte, hielt eine Rede, die in Gebärdensprache übersetzt wurde (da ein Großteil meiner Tänzer gehörlos sind). Auch Julie und ich hatten die Ehre, wobei ich davor Tode an Nervosität gestorben war, dann aber den Übersetzer komplett aus dem Konzept brachte, als ich plötzlich frei sprach. (O-Ton vor der Rede- “I don’t speak English well, can you write for me what you will say?&rdquo Es wurde zu einer Slapstick Nummer, und das Publikum brüllte…

Blumen wurden überreicht, weitere Reden gehalten, diesen und jenen gedankt und alle erwähnt- dann ging das Stück los- vor einem samtroten Banner, der in großen Lettern den Abend über aller Schirmherren still prangend und pflichtbewusst weiterhin gedachte.
Mein Unwohlsein im Countdown vor dem großen Tag rührte vor allem von der Tatsache, dass es bis dahin keinen einzigen Durchlauf mit allen Beteiligten gegeben hatte, auch keine Probe auf der „Ernstbühne“ mit Technik oder Musik- das musste also alles improvisierterweise gestern Abend geschehen. Als Deutsche, oder einfach als Andrea, habe ich dafür einfach nicht die notwendigen Nerven. Was nicht schlimm war, weil die seit Montag ohnehin alle aufgebraucht waren… Die Schauspieler waren der Brecher! Auch wenn alle Dialoge auf Vietnamesisch und daher für Nicht-Vietnamesen größtenteils nicht verständlich waren, wurde es von den beiden Teenagern einfach so hervorragend und zu lustig gespielt; in der Mimik des Publikums spiegelte sich Mitgerissenheit und Spannung wider. Sie waren voll dabei. Und als es erst zu den Tänzen kam, sprachen unsere Gesichter Bände - Julie und ich konnten einfach nicht anders, als bis über beide Ohren zu strahlen. Wir platzten beinahe vor Stolz. Hierfür hat sich alles gelohnt!!! Jeder Frust, aller Muskelkater und jedes verhasste frühmorgendliche Proben erhält hiermit nachträglich seine Adelung. Wir waren restlos begeistert und mehr als zufrieden. Sie haben das wirklich so toll gemacht!

Das quittierte uns auch abschließend der Applaus des Publikums. Mehr als "geschafft!"
Alle Befürchtungen, dass der Abend zum fussnagelkräuselnden Fiasko und über die Maßen peinlichen Abgang für uns beide wird, wurden im Bliztgewitter an Fotoaufnahmen, einer Flut von Glückwünschen, und vor Zufriedenheit übermütigen Tänzern ertränkt.

Jetzt stehen neben Abschieden letzte gemeinsame Tage bevor, in denen wir noch zusammen feiern ;-) aber vor allem wegfahren und uns erholen werden, bevor Julie dann Ende Oktober nach Deutschland aufbricht und mich für meine nächsten 3 spannenden Monate in Hanoi zurück lässt.
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Feste und Ereignisse
Melia Hotel Hanoi. Auf dem roten Teppich in schickster Auftortung, vorbei an unzähligen Blumengebinden bewegen wir uns, mit männlicher Begleitung an der Seite, auf den Botschafter zu. Da wir inzwischen wohl schon die 973ten Besucher sind, wirkt sein Willkommensgruß ein wenig erschöpft. Wir betreten den mit schwarzrotgoldener Dekoration prunkenden Ballsaal des edlen *****- Hotels, wo uns eine riesige Eisskulptur von Schloss Neuschwanstein entgegen glitzert. Zwischen den 969 anderen Besuchern ereifern sich in Latzlederhose und Dirndl verirrte vietnamesische Kellner, den Strom an Wein und Bier nicht abbrechen zu lassen. Nach der ergreifenden deutschen Nationalhymne und einer erbaulichen deutschen Rede des deutschen Botschafters wurde das deutsche Buffet eröffnet. Rouladen!!! Sauerkraut!!! Rotkohl!!! Schnitzel!!! Spätzle!!! Kartoffelsalat!!! Königsberger Klopse!!! Wurstsalat!!! Richtiges Brot!!! Rote Grütze!!! Apfelstrudel mit Vanillesoße!!! Ein Fest, ach, hat das gut getan! Erstaunlich, wie deutsch man im Ausland wird… Den ganzen Abend lief deutsche Musik, von Drafi Deutscher über Nena, Ärzte, Reinhard Mey, den Toten Hosen… Wenn man seine Augen auf der Leinwand im Hintergrund ruhen ließ, konnte man sich an Bildern deutscher Landschaften und Städte weiden, wobei ich jedes Mal, wenn sich mir Berlin zu erkennen gab, Philipp (meine Begleitung, direkt aus Berlin eingeflogen) mit meinem so plötzlichen Patriotismus behelligte… Ja, habt Nachsicht, es war die Feier zum Tag der deutschen Einheit, die ich mit Haut und Haaren in mich aufgesogen habe ;-)
 Aber das bewegt Hanoi nicht weiter. Seit Wochen läuft nämlich der Countdown zum Mondfest (dieses Jahr am 6.10.), was hier ein riesiges Kinderfest mit Laternen und Masken ist. Seit Wochen gibt es Moon-Cakes, Gebäck, das z.T. super lecker schmeckt, z.T. aber mit gekochten Eiern, Fleisch und Bohnen gefüllt ist und mit dem zuckrigen Geschmack des Ganzen nicht wirklich harmoniert… Ganze Straßenzüge leuchten in orange, gelb und rot, Lichterketten schmücken die Stadt und morgen Abend wird dann wohl um den Hoan Kiem See und in der Altstadt der Bär steppen, mitsamt Drachen, wuseligen Kiddies und Mopeds. Mal sehen, was uns da erwartet. Auf jeden Fall werden wir zu Fuß hingehen. Gelegentlich lernt man aus Fehlern…

Mein TV-Auftritt – ihr erinnert euch – wurde letzte Woche ausgestrahlt und beginnt Früchte zu tragen ;-) Will heißen, ich wurde von Journalisten angerufen und sie wollen einen Mega-Bericht über mich machen. Mit allen offiziellen und persönlichen Infos. Oh oh, mal sehen, was dann nachher ganz Vietnam über mich weiß. Sagt Bescheid, wenn ihr unerwähnt bleiben wollt. Die werden sicher ALLES fragen! (1,5Mio Worte lang soll der Artikel werden.) Unser Stück und dessen Aufführung scheint inzwischen überdies auch tatsächlich Konturen anzunehmen. Wir haben die Reihenfolge festgelegt, wer wann welche Rede hält (das schien die erste und wichtigste Frage zu sein), welches Logo am Vorhang der Bühne prangen wird, einen Aufführungsort!!! (das Goethe-Institut), ein Datum (Di,17.10.), eine Budgetplanung, mit der wir alle mehr oder minder glücklich sind, die Sprechrollen sind verteilt, die Dialoge geschrieben, die erste (und einzige?) Gesamtprobe angesetzt… jetzt geht es in die letzte Phase, in der ich mit meiner Tanzklasse noch einiges ausarbeiten und richtig viel üben muss. Die Party im Flohzirkus wird ernst. Ich werde drei Kreuze machen am 18.10. (falls nicht noch urplötzlich eine Tournee geplant wird, man weiß ja nie) und um eine riesen- Portion Erfahrung in Konfliktlösung, wunderschöner Zusammenarbeit und Perfektionismus- Verabschiedung reicher sein. Ich halte euch auf dem Laufenden! Es wird natürlich auch alles vom TV-Team verfolgt und ausgestrahlt werden. Eine DVD bekomme ich davon, selbst wenn ihr nicht über Satellit oder Internet live dabei sein könnt… So viel mal wieder aus der Stadt, die keine Stille kennt! Danke für all eure Kommentare und Ermutigungen. Freu mich immer sehr darüber ;-)
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Aus der Versenkung wieder aufgetaucht
Um ehrlich zu sein- die letzten drei Wochen waren schrecklich. Kulturschock, Frust, Krankheit, Zeitdruck, Ansprüche, unrealistische Forderungen an mein Sprachvermögen… Ich war täglich kurz davor, aufzugeben oder einfach nur im Bett liegen zu bleiben. Kulturfrust ist ja nicht lediglich, nicht in gewohnter Effektivität arbeiten und agieren zu können, weil es andere Hierarchien, Regeln, Mindsets, Werte und Verzögerungen samt Begründungen skurrilster Art gibt… sondern besonders- und das ist das schmerzhafte daran- , dass Verhaltensweisen praktiziert werden, die gemäß unserer Sozialisation einfach als komplett respektlos, verletzend, wenn nicht gar beleidigend empfunden werden. Das kann einem die letzte Kraft rauben. In so einer fremden, andersartigen Kultur zu stecken bringt darüber hinaus mit sich, sich immer wie auf Zehenspitzen zu fühlen. Alles ist anders, neu, ungewohnt nicht vertraut, sondern umständlicher, fremd, man macht alles falsch, missversteht sich, es schmeckt nicht, die Wohlfühlelemente und gewohnten Rückzugsorte fehlen… Dann kommen Schlafmangel durch Baustellenlärm und nächtliche Musikbeschallung dazu, Krankheiten, Dissonanzen mit vietnamesischen Freunden und Partnern, dass man nie darüber informiert wird, was passiert und geplant ist, man immer flexibel und einsatzbereit sein muss, man als Westler generell mal mit utopischen Erwartungen (nicht selten finanzieller Art) traktiert wird … so dass schnell ALLES, einfach ALLES anstrengend wird! Da quält man sich mit dem letzten Quäntchen Kraft, das man zusammen kratzen kann, zum Tanzunterricht. Weiß, dass es wieder so viel Energie kosten wird, die Sprachbarriere zu überwinden, einen Flohhaufen zusammen zu halten, zu kommunizieren. Weiß, dass die Uhr tickt, - nur noch 3 Wochen bis zur Aufführung! - hat seinen Plan für den Abend, wie weit man mit den 3 Gruppen parallel kommen muss… und da spaziert plötzlich ein TV-Team herein, die Französisch sprechende Reporterin baut sich vor einem auf und verkündet, was sie sehen und filmen will. Versuche, ihr zu erklären, dass ich gerade noch etwas anderes machen möchte, prallen ab. (Ich habe doch schließlich dankbar zu sein, ins TV zu kommen!) Also wird der Unterricht zur Show für sie gemacht. Dann plötzlich soll ich ein Solo tanzen. Ich bin kurz davor, zusammen zu brechen. Kann nicht mehr. Hasse nichts so sehr, wie allein auf einer Bühne zu stehen, dann noch mit Scheinwerfern und meine 40 Schüler müssen sich um mich setzen und mir applaudieren. Dann noch mal, damit alles im Kasten ist. Anschließend soll ich ein Interview auf Französisch geben. (Ihre Sprachkenntnisse scheinen sich aufs Sprechen zu beschränken, sie versteht meine Antworten meistens nicht, wird es zu Hause übersetzen oder einfach irgendwie übersprechen). Ich bin völlig ausgelutscht und frustriert, über die Stagnation unserer Trainingsphase, über die ständigen Forderungen an die Eier legende Wollmilchsau aus dem Westen. Am Ende des Abends erfahre ich (netterweise), dass Freitag schon wieder ein TV-Team anrücken wird. Meine Fäuste ballen sich… --- SCHNITT --- Ich habe meine rosa Brille wieder gefunden ;-). Knödel und Marmelade gekocht, deutscher Literatur gefrönt und alles passt wieder... Nein, im Ernst, die Konflikte verschärfen sich zwar gerade- kultureller Art, sprachlich, mit dem Projekt, der Haltung uns gegenüber- aber meine eigene Einstellung hat sich in vielem geändert. Ansprüche an das Projekt, an die Leiter und Koordinatoren und deren Haltung und Säumnisse uns gegenüber sollen nicht schwerer wiegen als die wundervollen Zeiten mit meinen Schülern, die ich liebe, mit denen ich so gerne Zeit verbringe, wir unsere Wege finden, zu kommunizieren (sowohl mit den Gehörlosen, als auch mit den Vietnamesisch-Sprechenden) und ich einfach vor Stolz platze, wenn ich sehe, was sie hinkriegen und wie sie sich tänzerisch entwickelt haben!!!! In manchen meiner Tänzer beginnen die Augen zu glänzen, weil sie ermutigendes Feedback bekommen haben, bemerken, dass jemand ihr Talent sieht, sie selbständig arbeiten lässt… Wir haben so viel Spaß zusammen, liegen manchmal auf dem Boden und halten uns die Bäuche, die Vertrautheit wird immer größer, je besser mein Vietnamesisch wird und je weniger hart mein Anspruch für eine perfekte Aufführung ist. Und eigentlich ist es genau das, was ich mir am meisten wünsche. Diese tollen Jugendlichen hier zu fördern, zu ermutigen, mit ihnen Zeit zu verbringen und aus ihnen rauszuholen, was sie können und zu geben bereit sind. Und dabei mein Herz und meine Energie zu investieren. Ob es eine rauschende Aufführung gibt oder nicht ist sooo egal! Die meisten sind schon überglücklich, mal im TV zu sein, auf der Bühne zu stehen, zu bemerken, dass ich mit Spaß und sehr gerne mit ihnen arbeite und so stolz auf sie bin. Und damit bin auch ich überglücklich. Wirklich.
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Strandidylle in Do Son

Wochenendausflug mit unseren vietnamesischen Organisations-Partnern nach Do Son ans Meer. Zu unseren neuen Erfahrungen gehörten eine undurchsichtige, leicht naive Massage-Aktion, ein Karaoke-Abend, der wider Erwarten zu meinem Highlight wurde, Kokosmilch und Eiskaffee im Liegestuhl in Kombination mit Zauberberg und Meeresrauschen, dauer-betrunkene Vietnamesen, die nur zu den Essenszeiten aus ihren Hotelzimmern krochen, alle möglichen Schalen- und Glibbertiere auf dem Teller (mit den Folgen Hunger resp. Bauchschmerzen bei uns beiden)… aber im Nachhinein schmunzelt man ja immer über solche Aktionen… und mal raus aus Hanoi für einige Zeit tut immer gut!
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